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Start des Projektes Schulaufklärung “Homosexualität”

"Schwule Sau" gehört so oder ähnlich zu den häufigsten Schimpfwörtern an deutschen Schulhöfen. Die Schwung engagiert sich für Aufklärung und Toleranz an Schulen.

Am 25.01. war es endlich soweit. Nach den Trockenübungen bei Schulungen zum Thema Schulaufklärung, standen wir endlich vor unserer ersten Klasse. 18 Augen schauten uns gespannt und neugierig an. So sehen also Schwule aus? Nachdem wir uns kurz vorgestellt hatten, ging es gleich mit einem Spiel los. 10 Fragen waren mit ja oder nein zu beantworten, dabei durfte gelogen werden. Eine Ecke des Klassenzimmers stand für die Antwort ja, die gegenüberliegende Ecke für nein. Schon einfache Fragen wie “Ich bin ein Junge” oder “Ich bin Deutscher” zeigten, dass auf einer Seite oft wenige Schüler und Referenten standen, auf der anderen Seite jedoch eine große Gruppe.

Nachdem die anfängliche Zurückhaltung gebrochen war, berichteten uns die Schüler, dass sie selbst oft Zurückweisung erfahren. Zum einen werden sie von Schülern anderer Schulen oft als “Baumschüler” bezeichnet, zum anderen erfahren gerade die türkischstämmigen Jugendlichen oft Ablehnung und Beschimpfung, zum Teil auch Gewalt. Der Bogen zur Homosexualität war jetzt recht schnell geschlagen und es wurde die Frage diskutiert, ob ein schwuler Freund oder eine lesbische Freundin möglich wäre. Unsere erste Klasse war bei dieser Frage sehr aufgeschlossen und die einhellige Antwort lautete “das sind ja auch nur Menschen”. Im Anschluss konnten wir der Klasse viele Fragen beantworten, die zu dem Thema noch bestanden. Schnell waren die 45 Minuten rum und nach einer kurzen Pause ging es schon in die nächste Klasse.

Diesmal dauerte es etwas länger, das Eis zu brechen, da die Schüler der 7. Klasse sich vorher im Unterricht nicht mit dem Thema beschäftigt hatten und sie mit 12-14 Jahren doch ein ganzes Stück jünger waren als unsere erste Klasse. Gerade bei den Schülern mit Migrationshintergrund war, trotz selbst schon erlebter Diskriminierung, die Ablehnung von Schwulen sehr deutlich. “Wenn mein Bruder schwul wäre, dann würde ich ihn umbringen oder mich” war eine der Aussagen, die im Gespräch gefallen sind. Zum Glück gab es in der Klasse aber auch sehr tolerante und offene Schüler.

Am Ende war das Eis dann komplett gebrochen und es wurden sehr viele Fragen zu Hochzeit, wer ist die Frau in der Beziehung, u.a. gestellt.
Selbst das Klingeln zur großen Pause stoppte die Neugier der Schüler nicht und so wurde am Ende kräftig überzogen.

Für uns ist die Zeit wie im Fluge vergangen. Die Arbeit mit den beiden Klassen war für uns, trotz der zum Teil krassen Aussagen, eine tolle Erfahrung. Gerade solche Aussagen zeigen ja auch wie wichtig ein solches Projekt ist.

Das Nachgespräch mit der Klassenlehrerin hat bestätigt, dass der Besuch Diskussionen zu dem Thema Homosexualität in Gang gesetzt hat. Auf Wunsch der Klasse sollen jetzt auch noch Lesben im Unterricht vorbeischauen. Vielleicht lautet das Fazit danach ja auch: “Man sieht denen gar nicht an, dass sie Homosexuell sind”.

Wir danken der Pestalozzischule in Bretten für die Einladung und freuen uns schon auf die weitere Zusammenarbeit.